Gender Mainstreaming in der Kinder- und Jugendhilfe in MV?
- Erste Befragungen zum Stand der Implementierung
Das gleichstellungspolitische Konzept Gender Mainstreaming ist noch
verhältnismäßig jung, ist aber mittlerweile in diversen Gesetzen und
rechtlichen Regelungen als bindendes Konzept festgeschrieben.
Spätestens mit dem Inkrafttreten des bundesweiten Kinder- und Jugendplans
im Jahr 2000 sind auch die Vereine und Projekte der Kinder- und Jugendhilfe
verpflichtet Gender Mainstreaming in ihren Organisationen und Projekten
zu verfolgen.
Die Gender-Fachstelle MV führte im Zeitraum Dezember 2007 – März 2008 erstmalig
in Mecklenburg-Vorpommern schriftliche Befragungen bei Vereinen und Projekten im
Bereich der Kinder- und Jugendhilfe zum Stand der Implementierung von Gender Mainstreaming durch.
Im Fokus standen dabei auch die Einstellungen und Präferenzen hinsichtlich der
Implementierung von Gender Mainstreaming, sowie fördernde und hemmende Rahmenbedingungen
für den Implementierungsprozess. Hierbei wurden Vereine und Projekte aus thematisch
unterschiedlichen Bereichen, sowie mit verschiedenen Strukturen in der Befragung analysiert.
Deutlich wurde dabei hinsichtlich der Einstellungen gegenüber Gender Maistreaming vor allem eins:
Die befragten MitarbeiterInnen der Organisationen sahen die größte Notwendigkeit von
geschlechtergerechteren Strukturen und Handlungen insbesondere im direkten Umgang mit
ihren Adressaten, den Kindern und Jugendlichen.
Entsprechend wird die größte Notwendigkeit für Weiterbildungen zum Erwerb von mehr
Gender-Kompetenz in erster Linie für die pädagogischen
MitarbeiterInnen gesehen. Die Umsetzung des gleichstellungspolitischen Prinzips der eigenen
Arbeits- und Kooperationsstrukturen außerhalb des pädagogischen Handelns hat bei den
Befragten eine deutlich geringere Priorität. Dies dürfte unter anderem darauf zurückzuführen sein,
dass die Partizipationsmöglichkeiten von Frauen in den Geschäftsführungs- und Leitungspositionen
in den evaluierten Verbänden besonders hoch sind und die Kooperation zwischen den Geschlechtern
bereits als gut eingeschätzt wird. Auch die Partizipation von MitarbeiterInnen mit eigenen Kindern
an Fortbildung und wichtigen Treffen von den Vereinen wird weitgehend ermöglicht.
Die tatsächliche Beschäftigung und Umsetzung des Prinzips steht im Bereich der Kinder- und
Jugendhilfe in MV jedoch noch am Anfang.
Kein Projekt oder Verein sieht bisher mehr als ein
Siebtel des Konzepts bei sich verwirklicht. Probleme werden dabei in erster Linie in der
mangelnden Unterstützung von verschiedenen Seiten gesehen. Vorstand, Verband und MitarbeiterInnen
lassen sich zumeist schwer für das Konzept motivieren und auch die Unterstützung von der
öffentlichen Seite wird vermisst. Zudem fehlt es oftmals an Geldern und an personellen und/oder
zeitlichen Ressourcen, um Gender Mainstreaming weitreichend umzusetzen. Schwierig ist hierbei außerdem,
dass der Implementierungsprozess als langwieriger als zuvor vermutet bewertet wird. Eher auf eine mangelnde
interne Auseinandersetzung mit der Thematik zurückzuführen ist jedoch, dass Gender Mainstreaming in den
meisten befragten Vereinen weder in der Satzung noch in der Geschäftsordnung oder in der Außendarstellung
aufgenommen wurde und ein solcher Schritt auch nicht geplant ist.
Auch bei der pädagogischen Arbeit mit
Mädchen und Jungen findet die explizite Anwendung von Gender Mainstreaming bisher kaum Anwendung, trotz der
in diesem Bereich hohen Zustimmung der Notwendigkeit von geschlechtergerechteren Strukturen und Handlungen.
Ein besonderes Hemmnis stellt hier neben der oftmals fehlenden Gender-Kompetenz der (pädagogischen)
MitarbeiterInnen die Befürchtung dar, dass im Zuge der Umsetzung von GM explizite Mädchen-Projekte
eingestellt oder reduziert werden.
Auf der anderen Seite werden aber bereits erste Erfolge und Verbesserung in Folge der Berücksichtigung
von mehr Geschlechtergerechtigkeit wahrgenommen. Auch wenn erst erste Schritte hinsichtlich der Umsetzung
von mehr Geschlechtergerechtigkeit innerhalb der Vereine und Projekte vollzogen sind, – meist in Form
von Gender-Trainings für einzelne MitarbeiterInnen – wird die Arbeit infolge geänderter Handlungsmuster und/
oder Strukturen aufgrund erster Reflektierungen unter dem Gender-Aspekt als qualitativer und lohnenswert eingeschätzt.
Um diese ersten Erfolge weiterführen und ausbauen zu können, d.h. um die Umsetzung von Gender Mainstreaming
im eigenen Verband weiter vorantreiben zu können, werden Bedarfe hinsichtlich von Unterstützungsleistungen
von außen gesehen. Finanzielle sowie politische Unterstützung sind hierbei jedoch nur ein Aspekt.
Von besonderer Relevanz ist zudem ein inhaltlicher Input. Das Erwerben von (weiterer) Gender-Kompetenz
generell aller MitarbeiterInnen, insbesondere aber des pädagogisch arbeitenden Personals durch (weitere)
Fortbildungen (Gender-Trainings) und Beratungen durch entsprechende Einrichtungen sowie durch die Teilnahme
an entsprechenden Fachtagungen und Arbeitskreisen werden als primär notwendig empfunden. Als grundlegend für
die Implementierung von Gender Mainstreaming werden aber auch interne Abstimmungen und klare Zielsetzungen
zum einen durch entsprechende trägerinterne Diskussionen, zum anderen durch die verbandsinterne Erarbeitung
eines Positionspapiers zur Thematik gesehen.
Anfänge hierfür sind zum Teil in bereits aufgebauten
Vernetzungen einiger Projekte und Vereine mit anderen Einrichtungen zum Thema Gender Mainstreaming geschaffen.
Zusammenfassend bleibt aus den Befragungen für die Arbeit der Gender-Fachstelle festzustellen, dass in
vielen Vereinen und Projekten bereits erste Kenntnisse hinsichtlich des Konzepts bei einigen
MitarbeiterInnen und damit motivierte und positiv hinsichtlich der Implementierung von Gender
Mainstreaming eingestellte Ansprechpartner vorhanden sind.
Dennoch stehen die meisten Vereine
und Projekte der Kinder- und Jugendhilfe noch am Anfang der Auseinandersetzung mit Gender Mainstreaming.
Um eine weitreichende Implementierung zu ermöglichen, ist die Unterstützung durch eine Institution
wie die Gender Fachstelle unabdingbar. Als reguläre Anlaufstelle bei Beratungsbedarf,
Unterstützung für die Motivation weiterer VereinsmitarbeiterInnen – insbesondere der Vereinsleitung – zur GM-Implementierung,
sowie vor allem als Institution, die abgestimmt auf die Bedürfnisse der jeweiligen Vereine bzw.
Projekte die Teilnahme an einem Gender-Training anbietet, ist die Gender-Fachstelle notwendiger
Begleiter für Implementierung von Gender Mainstreaming in der Kinder- und Jugendhilfe.
Ohne eine stärkere Unterstützung seitens der Politik und ohne zusätzliche finanzielle
Ressourcen wird eine umfassende Umsetzung des Konzepts Gender Mainstreaming jedoch für viele Vereine und Projekte dennoch schwierig bleiben.
Yvonne Griep (WiMi)